Funifor

Funifor ist der Name eines Seilbahnsystems, das zwar vom Namen her dem sehr an den Begriff Funitel erinnert. Darüber hinaus hat das System aber außer der breiten Seilspur nicht viel mit Funitels gemeinsam. Erfunden wurde das Funifor beim Südtiroler Seilbahnhersteller Hölzl, der im Jahr 2000 am Stilfser Joch erstmals eine Anlage dieser Art realisierte. Inzwischen ist Hölzl wie so viele andere traditionelle Seilbahnhersteller in der der Doppelmayr-Gruppe aufgegangen.

Beim Funifor handelt es sich um ein Pendelbahnsystem, bei dem der Abstand zwischen den beiden Tragseilen größer ist als die Kabinenbreite. Diese Art der Seilführung soll dem Funifor eine extrem hohe Windstabilität ermöglichen.
Um ein gleichmäßiges Ziehen der Kabine zu gewährleisten ist auch das Zugseil doppelt gelegt und auf zwei Ausgleichs-Seilscheiben pro Richtung (d.h. insgesamt vier Seilscheiben) am Kabinen-Gehänge verschiebbar gelagert, um eventuelle Zugkraftunterschiede auf den beiden Zugseilsträngen auszugleichen.
Das endlose, doppelt gelegte Zugseil wird Überkopf zurück geführt, so daß die beiden Fahrspuren separat angetrieben werden müssen. Dies erfolgt über zwei Motoren pro Spur, jeweils einem pro Zugseilstrang. So wird nicht nur das unabhängige, gegebenenfalls sogar parallele Fahren der Kabinen ermöglicht. Im Schadensfall kann angeblich sogar die Antriebsscheibe des defekten Motors blockiert werden. Auf diese Weise ergibt sich mittels der Ausgleichsscheiben am Kabinengehänge eine Art Flaschenzug, so daß die Kabine mit der intakten Antriebseinheit in die Station zurück befördert werden kann. Weiterhin kann auf eine Rettungs-/Bergebahn verzichtet werden, da dank der beiden unabhängig fahrbaren Kabinen im Schadensfall ein Umsteigen der Fahrgäste über einen Steg in die noch intakte Gegenkabine erfolgen kann.

Zur Zeit existieren sechs Seilbahnen dieses Typs. Das Ur-Funifor von Hölzl wurde im Jahr 2000 am Stilfser Joch erstellt. Vier Jahre später folgte das Funifor Passo Salati in Alagna, das bereits unter dem Label von Doppelmayr Italia erstellt wurde. Im den Jahren darauf entstanden die Anlagen in Arabba (2005) und am Monte Zoncolan im Friaul (2007). Ende 2009 wurden zwei weitere Bahnen in Gressoney und Sella Nevea in Betrieb genommen. Alle sechs derzeit bestehenden Anlagen wurden somit in Italien realisiert.
Begonnen wurde zudem bereits 2006 mit dem Bau einer Funifor-Anlage in Pejo am südlichen Rand des Stilfserjoch-Nationalparks. Jedoch wurden hier die Arbeiten für mehrere Jahre unterbrochen, so dass die Bahn erst 2010 in Betrieb genommen werden konnte. Das erste außeritalienische Funifor entstand im Sommer 2010 in Bezau im Bregenzer Wald (Österreich).

Liste der bestehenden Anlagen

Trincerone-Livrio Stilfser Joch (I) Hölzl Seilbahnbau 2000
Pianalunga-Passo Salati Alagna (I) Doppelmayr 2004
Porta Vescovo Arabba (I) Doppelmayr 2005
Ravascletto-Monte Zoncolan Ravascletto (I) Doppelmayr 2007
Prevala Sella Nevea (I) Doppelmayr 2009
Passo Salati-Indren Gressoney (I) Doppelmayr 2009
Bezau-Sonderdach-Baumgarten Bezau (A) Doppelmayr 2010
Pejo 3000 Pejo (I) Doppelmayr 2010
Stanserhorn Stans (CH) Garaventa 2012

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